- 27.02.2026
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Elektro-Lkw sind im Kommen. AStrans aus Bottrop steigt als einer der Ersten um. Die ELE erstellt dem Logistiker ein maßgeschneidertes Ladekonzept.
Groß, leise und glänzend rollen sie über den Betriebshof in Bottrop-Batenbrock: die neuen Elektro-Lkw für die AStrans Waggon und Transport GmbH. Gleich vier Fahrzeuge haben Philipp und Max Schmirler für ihr Logistikunternehmen bestellt, das sie gemeinsam mit einem weiteren Bruder führen. Privat fährt Max Schmirler schon seit fünf Jahren elektrisch und würde nie wieder tauschen. Doch in seiner Branche auf Elektrofahrzeuge zu setzen, ist mutig. Denn nur wenn die Zahlen stimmen, lohnt sich der Umstieg. Und ein paar Variablen sind noch offen.
Eine Unbekannte ist die eigene Ladeinfrastruktur. Die braucht der Unternehmer, um seine Elektro-Lkw schnell und planbar zu laden. Für ein professionelles Ladekonzept und konkrete Zahlen hat sich Max Schmirler an die ELE gewandt. Deren Experten Thomas Spirres und Timo Tomala wissen: Einfach eine Ladesäule aufstellen, damit ist es nicht getan. Netzanschluss und Ladevorgänge müssen genau geplant und optimiert werden, damit die großen Stromer ausreichend Saft bekommen. Eine Pauschallösung gebe es nicht, sagt Thomas Spirres. „Die Gegebenheiten vor Ort, sprich die Netzanbindung oder nötige Kabelwege, sind bei jedem Unternehmen anders. Daher lohnt es sich, mehrere Szenarien durchzurechnen.“
Eine mögliche und besonders kostengünstige Variante für AStrans hat er schon im Blick: Es gibt bereits einen Niederspannungsanschluss mit 150 kW Leistung. Der wird für einen Kompressor in der betriebseigenen Waschanlage genutzt. „Wenn die Lkw vor allem nachts geladen werden, ließe sich der bestehende Anschluss für beide Zwecke verwenden“, so Spirres. Für ein stabiles Lastprofil, sprich eine gleichmäßige Verteilung des Strombezugs, sorgt ein intelligentes Lademanagement. „Damit vermeiden wir hohe Leistungspreise für den Kunden“, erklärt Thomas Spirres.
Werden es künftig mehr Stromer in der Flotte, wäre allerdings ein Netzausbau nötig. Auch dieses Szenario rechnet Thomas Spirres durch. Max Schmirler kann mit den Zahlen einige Variablen in seiner Rechnung auflösen: „Das liefert uns eine gute Entscheidungsgrundlage für unseren zukünftigen Weg, eine Blaupause.“

Einer, der vorausfährt
In der Logistikbranche sieht Max Schmirler sich als Multiplikator. Als einen, der vorausfährt und anderen den Weg bereitet. „Der Trend geht eindeutig zum elektrischen Antrieb“, sagt der Unternehmer, der als stellvertretender Vorstand im Verband Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen e. V. tätig ist. „Wir holen uns einen Wissensvorsprung. Und hoffen, dass wir erstmal kostengleich mit dem Diesel fahren.“ Später soll der Sparvorteil gegenüber dem fossilen Treibstoff immer größer werden.
Konkrete Zahlen, mit denen der Unternehmer rechnet: Er spart gut 35 Cent pro Kilometer an Mautgebühren. Die werden für einen 40-Tonner mit der besten Schadstoffklasse Euro 6 aktuell fällig. Allein an Mautkosten kommen so locker 30.000 Euro im Jahr für einen Diesel-Lkw zusammen. Elektro-Lkw dagegen sind bis 2031 von der Maut befreit. „Diese politische Entscheidung ist wichtig, sie verschafft uns Planungssicherheit“, so Max Schmirler. Außerdem können sich Unternehmen für ihre Elektrofahrzeuge die THG-Prämie sichern, die sie für die Einsparung von Treibhausgasen im Verkehrssektor belohnt. Im Vergleich zur Maut ein kleiner Betrag, aber ebenfalls ein Plus für den E-Antrieb.
Sparpotenzial von Elektro-Lkw
- 0 Euro Mautgebühren bis Mitte 2031
- 0 Euro Kfz-Steuer bis Ende 2035
- 40–70 Prozent Einsparung bei den Antriebskosten (je nach Strombezug und Preisentwicklung)
- 75 Prozent der Anschaffungskosten schon im ersten Jahr steuerlich abschreibbar
- Förderprogramme für die Schnellladeinfrastruktur für gewerbliche Nutzfahrzeuge sowie für Konzepte zur Beschaffung von Fahrzeugen und zur Errichtung von Ladeinfrastruktur (Infos dazu auf progres.nrw)
Stromer hängen Diesel ab
Dass der Umstieg möglich ist, zeigt ein Blick nach China. Dort sind erneuerbare Antriebe im Schwerlastsektor auf der Überholspur. Rund 60 Prozent aller neuen Lkw fahren dort ab diesem Jahr rein elektrisch. Bereits im vergangenen Jahr sank der Dieselverbrauch der Volksrepublik um 11 Prozent.
In der Emscher-Lippe-Region rollen nur langsam die ersten Modelle auf die Straße. Ähnlich wie in den Anfängen der Elektromobilität zeigt sich das Henne-Ei-Problem: E-Lkw brauchen spezielle Ladepunkte, an denen auch ein Sattelzug halten und vor allem wenden kann. Und das sowohl entlang der Autobahnen als auch auf dem Firmengelände. Daher sind Ladepunkte auf dem Betriebshof ein Muss für Unternehmen, die umsteigen wollen. 350 Autobahnrastanlagen will zudem der Bund laut dem Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 mit Ladepunkten für E-Lkw ausstatten.
Wie der Arbeitsalltag im Elektro-Lkw aussehen wird, darauf ist auch Eugen Kail gespannt. Der Disponent weiß, dass die Planung neue Herausforderungen mit sich bringen wird. „Bei den Touren müssen wir die Ladezeiten gut einplanen. Und wir müssen noch Erfahrungen mit der Reichweite je nach Beladung sammeln.“ Eine Schonfrist gibt es für die E-Laster übrigens nicht. Sie sollen sofort auf den gleichen Wegen eingesetzt werden wie auch die Diesel-Lkw. Chef Philipp Schmirler ist optimistisch: „Wie die Touren mit Elektroantrieb laufen und wie unsere Disposition mit den E-Fahrzeugen umgehen muss, das ist ein Lernprozess, da müssen wir durch!“
Die tatsächliche Kostenbilanz der Stromer kann er erst im Laufe des Jahres aufstellen. Wie schnell die Elektroflotte von AStrans weiter wächst, hängt auch von den Rahmenbedingungen ab. Die staatliche Förderung für die Anschaffung von E-Lkw hatte über den Winter pausiert und wurde soeben neu aufgelegt. Für die betriebliche Ladeinfrastruktur gibt es Zuschüsse, und zwar sowohl für die Planung als auch für die Anschaffung von Schnellladepunkten – bis zu 40.000 Euro pro Ladepunkt. Auch Konzepte für den Kauf von E-Fahrzeugen werden gefördert. Die ELE-Experten sind sich sicher: Wer jetzt loslegt und die staatlichen Zuschüsse mitnimmt, sichert sich einen deutlichen Vorsprung für seine Firmenflotte.

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